Im Gespräch mit Manuel Frey:

Ein Interview mit dem Arzt und Triathleten.

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Das Interview

Ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt Manuel Frey zu seiner Leidenschaft: Triathlon. Über Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge, Training und Ernährung und über die Faszination einer Disziplin, die das Letzte von einem Athleten fordert.

 

Manuel, wie bist Du zum Triathlon gekommen?

Schon als Kind war ich, aus einer eher geistig orientierten Familie stammend, immer gerne draussen im Freien. Ich kann mich erinnern, dass ich mich jedes Mal, wenn es geschneit hat, auf mein Fahrrad gesetzt und auf dem grossen Parkplatz vor unserem Haus unentwegt meine Runden gedreht habe. Die Verbindung zwischen dem Erleben der Elemente und der koordinativen und physischen Herausforderung scheint mich schon immer fasziniert zu haben. Schnell hat sich auch gezeigt, dass ich eine kompetitive Seite in mir habe: ich wollte bei Spiel und Sport immer gewinnen. In meiner Jugend hab' ich sowohl viel Ballsport wie auch sogenannte Funsportarten wie Skifahren betrieben, zudem bin ich immer mit dem Velo zur Schule gefahren und habe in der Freizeit oft kleine Touren mit dem Fahrrad unternommen. Gelaufen bin ich nur im Rahmen des Schulsports und Schwimmen konnte ich kaum.

…klingt nach einem weitem Weg bis zum Triathlon!?

Ab dem Alter von 15 Jahren bin ich im Rahmen des Mountainbikebooms häufiger Rad gefahren und im Alter von 18 Jahren habe ich meinen ersten Triathlon absolviert. Obwohl ich nur Brustschwimmen konnte und der Vortrieb recht beschränkt war, gewann ich dieses Jugendrennen. Bereits ein paar Jahre zuvor  hatte ich die Bilder des berüchtigten Ironman in Hawaii mit dem legendären Zweikampf („Ironwar“) zwischen Dave Scott und Mark Allen gesehen. Ich denke, dass mein „kleiner“ Erfolg zusammen mit diesen beeindruckenden Bildern mich weiter angespornt hat. In den folgenden Jahren wandte ich mich aber wieder vermehrt dem Ballsport zu, um mich im Alter von 22 Jahren in Anbetracht meiner Defizite im Schwimmen vorerst dem Duathlon (Laufen/Radfahren/Laufen) zu widmen. Parallel versuchte ich meine Fähigkeiten im Schwimmen zu verbessern und lernte den „Crawlstil". Allerdings habe ich mich leider nie einem halbprofessionellen oder professionellen Training angeschlossen, und noch heute ist das Schwimmen meine „grosse“ Schwäche.

Und dennoch bist Du stark dabei!?

Ich habe dann, nach meinem Rückzug aus dem Ballsport, während des Studiums einige Jahre versucht, das Level der Besten im Triathlon zu erreichen, was mir in Bezug aufs Radfahren beinah gelang, im Schwimmen und im Laufen blieb ich aber weit hinter den Besten zurück. Schliesslich entschloss ich mich, meine Ambitionen etwas zurück zu schrauben, wollte aber weiterhin einmal im Leben in Hawaii starten können. Das ist mir im Jahre 2005 nach der Qualifikation im Jahr zuvor in Florida dann auch gelungen. Das Rennen lief nicht wie gewünscht und in den folgenden Jahren bin ich weiter vor allem Rad gefahren, beim Schwimmen und Laufen war ich weiterhin deutlich weniger fleissig…

...und dann?

In den letzten zwei bis drei Jahren ist meine Passion für den Triathlon und den Leistungssport wieder neu entflammt und ich freue mich sehr an den kleinen und grossen Fortschritten, die ich in den einzelnen Disziplinen machen kann. Dies ist auch der Grund, weshalb meine Antwort so lange ausgefallen ist: ich habe eigentlich erst jetzt das Gefühl, „richtig“ zum Triathlon gefunden zu haben. Nie zuvor hatte ich diesen Drive, in allen drei Disziplinen besser werden zu wollen. Lange Zeit bin ich vor allem gerne Rad gefahren, habe Talent für das Laufen und habe mich durch das Schwimmen gemogelt.

Worin besteht Deine Motivation in diesem Sport regelmässig an Deine Grenzen zu gehen?

Im Sport wird oft von intrinsischer und extrinsischer Motivation gesprochen. Ich denke, dass dieser Sport schwierig zu betreiben ist ohne intrinsische Motivation. Zu gross ist die Investition, zu gering der (monetäre) Ertrag. Es gibt heute viele, die durch das Prestige eines Ironmantriathlons oder gar des Ironman Hawaii hoch motiviert sind, das Training aber gar nicht geniessen. Wenn ein 6-stündiges Radtraining nicht zum Lifestyle gehört, sondern eine Qual darstellt, wird es meines Erachtens sehr schwierig, die notwendige mentale und körperliche Energie aufzubringen, die diese Rennen zwingend erfordern.

Und wie schaffst Du es dennoch, dranzubleiben?

Ein intensives Training in der Natur, bestenfalls alleine frühmorgens beim Sonnenaufgang, gibt mir ein profundes Gefühl der Zufriedenheit, wie ich sie sonst nur selten erlebe.

Natürlich gibt es auch Momente, in denen extrinsische Motivation mitspielt: ich weiss, dass ich mich einem gewissen Niveau verpflichtet habe… und dazu gehört, dass ich mich zum Beispiel fünf Stunden bei schlechtem Wetter auf die Rolle (Velo befestigt auf Rolle) setze und TV, Filme oder Podcasts schaue, um mir die Zeit möglichst angenehm zu gestalten. Der Spass und das intensive Erleben der Umwelt kommen hier zwar deutlich zu kurz, das gute Gefühl der angenehmen Müdigkeit nach vollbrachter hingegen Tat bleibt.

Du erfüllst ein 100% Arbeitspensum als Arzt, wie gelingt es Dir, Sport und Arbeit zu vereinbaren?

Diese Frage lässt sich nicht global beantworten, da ich über die letzten Jahre verschiedene Arbeitgeber mit sehr unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen hatte. Die Palette reicht von 5 x 24h Arbeit pro 14 Tage mit oft vorhandener Nachtruhe über 70 Prozent Spät-Nacht- und Wochenenddienste im Rahmen der 50-Stundenwoche, bis hin zu 4-6-tägigen 14-15 stündigen Tag- bzw. Nachtdiensten. Es ist einfach nachzuvollziehen, dass die erste Variante mir ein nahezu professionelles, die zweite Variante ein mit vielen Kompromissen behaftetes Trainingsprogramm und letztere Variante eine an die Quadratur des Kreises grenzende Voraussetzung für Leistungssport bereitet hat. Mein Training an die Gegebenheiten fast stündlich anzupassen gehört für mich heute einfach dazu, für einen fixen Plan sind viel zu viele Variablen vorhanden. Zudem ist anzumerken, dass ich mir mein Athletenleben mit mehreren zusätzlichen Hobbies selber erschwere, allerdings sind diese für mich und mein Seelenwohl unabdingbar.

Ganz klar: ohne den ständigen Support meiner Frau, welche mein Tun nicht nur toleriert, sondern mich wo immer möglich unterstützt, wäre dieser Lebensstil ohnehin nicht denkbar.

Welche Parallelen siehst Du zwischen einem Triathlon und der Arbeit im Spital?

Verallgemeinernd wird oft gesagt, dass Ausdauersportler den Biss und das Durchhaltevermögen auch im Berufsleben mitbringen. Dass Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Ausdauer, positive Herangehensweise und Begeisterungsfähigkeit über einen langen Zeitraum in beiden Gebieten hilfreich sind, lässt sich nicht von der Hand weisen. Dies gilt aber für sehr viele Bereiche des Lebens.

Eine wichtige Parallele ist für mich die Tatsache, nicht immer ein günstiges Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag als primäres Ziel zu haben: in beiden Bereichen streift der Aufwand oft das Unvernünftige und macht wohl gerade damit Teil der Faszination aus, in dem sich daraus Momente und Situation ergeben, welche sonst kaum je zu erleben wären.

Wo liegen Deine Stärken beim Sport und wo im Beruf?

Im Tagesablauf empfinde ich häufig, dass der Sport mich für den Beruf schwächt und umgekehrt, da die punktuelle Belastung doch recht gross ist. Mittel- und langfristig ergibt sich daraus jedoch mit der Zeit eine höhere Belastbarkeit und eine zufriedene Grundhaltung. Zudem gibt es sicher Elemente wie Gelassenheit und eine gewisse innere Ruhe, die in beiden Sparten geschult werden und von Nutzen sein können. Konkret hilft es dem Patienten wenig, wenn ich vor der Intubation unnötig nervös bin, genauso zehrt mich übertriebene Nervosität vor dem Schwimmstart aus, behindert zum Beispiel die Verdauung und nicht zuletzt mein Wettkampfergebnis.

Welche Rückschläge musstest Du bei Deiner sportlichen Aktivität bereits verdauen? 

Der Sport und ein Ironman im Speziellen sind für mich wie eine komprimierte Form des Lebens, es sind sehr viele Emotionen involviert: Von Panik (Schwimmstart), über Verwunderung (gute Beine auf dem Rad), Wut (wieder jemand, der unerlaubterweise an meinem Hinterrad fährt), Wachsamkeit (dauernd…), über Trauer (neun Monate Vorbereitung und dann zwei Platten…) bis hin zu Ekstase (endlich am Ziel, Hawaiiquali geschafft) ist alles dabei – und vieles mehr dabei. Entsprechend sind die Strategien nach Rückschlägen ähnlich und je besser das Rüstzeug ist, desto zuversichtlicher sind wir, auf den ursprünglich eingeschlagenen Weg zurück zu finden. Die berühmten Maximen „never give up“ oder „death before „didnotfinish““ verkommen schnell zu Lippenbekenntnissen, wenn keine echte innere Überzeugung vorhanden ist.

Legst Du ein spezielles Augenmass auf die Ernährung?

Da ich unter einer hereditären Dyslipidämie leide, habe ich in den letzten Jahren meine Ernährung angepasst und ich halte mich bei Wurstwaren, rotem Fleisch und Butter noch stärker zurück. Zudem habe ich schon vorher sehr wenig Fertigprodukte konsumiert. Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, mich speziell an meinen Sport angepasst zu ernähren. Wenn ich aber beispielsweise an die Ernährung meiner Umwelt denke, fallen mir doch beachtliche Unterschiede auf. In den Nachtdiensten ein Sandwich essen zu müssen, ist für mich nicht erstrebenswert und eine Portion Pommes lasse ich gerne links liegen. Sogenanntes ungesundes Essen gehört für mich, wie für so viele andere jedoch zum Leben dazu, aber zumindest gut schmecken sollte es schon. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neben dem von Berufes wegen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus das Kantinenessen mein Wohlbefinden und mein sportliches Rendement am stärksten (negativ) beeinflussen. Die Ernährung unmittelbar vor und während dem Wettkampf ist ein Thema für sich und stellt wahrscheinlich die „vierte“ Disziplin im Triathlon dar.

Wendest Du Methoden des mentalen Trainings an?

Leider nehme ich mir für bewusstes mentales Training keine Zeit. Es ist aber so, dass ich mich oft willkürlich oder unwillkürlich in Situationen versetzte, wo ich mich virtuell fordere, sei es im Sport oder im Beruf. Konkret stelle ich mir gewisse Bewegungsabläufe, spezifische Situationen oder Bilder vor dem inneren Auge vor (oder sie stellen sich mir vor).

Wer gibt Dir medizinischen Support?

Für Massage oder ähnliches fehlt mir die Zeit und ich versuche so vernünftig und umsichtig als möglich zu trainieren und so den medizinischen Support und allfällige Therapien zu minimieren. Allerdings war ich in den letzten beiden Jahren auf physiotherapeutischen Support, wie auch punktuell auf eine antientzündliche Therapie angewiesen. Im letzten Jahr besuchte ich zudem einen Osteopathen, was ich als sehr hilfreiche und eindrückliche Erfahrung empfand. Es mag etwas merkwürdig klingen, aber meine oberste Priorität ist es, weiterhin und noch möglichst lange, vital und flexibel zu bleiben. Koordination, Beweglichkeit und Flexibilität haben für mich einen noch höheren Stellenwert als die Ausdauer. Die Einnahme von Medikamenten ist für mich eine absolute Notlösung zur Behandlung von Verletzungen, zur Leistungssteigerung hingegen sind sie obsolet.

Worin liegt für Dich die Faszination des Triathlons?

Wie bereits erwähnt, wurde auch ich von den Bildern des Ironman Hawaii geprägt. Sie haben mich in ihren Bann gezogen. Noch heute ist Hawaii für mich das Rennen mit der grössten Ausstrahlungskraft. Andere Ziele, welche hinzukamen, sind eine gute Endzeit im Ironman, gute Abschnittszeiten und eine stetige Verbesserungen in den einzelnen Disziplinen oder die Teilnahme an Wettkämpfen, die spezielle topografische oder klimatische Herausforderungen bieten.

Die primäre Motivation für mich persönlich ist weiterhin das Erleben und Fordern des eigenen Körpers in der Natur. Anders als viele denken, ist für mich zudem viel Spiel mit involviert, sei es mit der Intensität oder dem Terrain. So sind die meisten Trainings sehr befriedigend, belohnend und bereiten viel Spass. Sehr lange Trainings bereiten mir aber manchmal doch Mühe, da ich lange von meinen Liebsten getrennt bin. In den letzten Jahren bin ich zudem immer ein bisschen schneller geworden, was zusätzliche Motivation bringt. Falls es offensichtlich werden sollte , dass die Umstände es nicht mehr zulassen oder ich merklich weniger leistungsfähig sein sollte, werde ich auf Wettkämpfe verzichten und mich vermehrt meinen anderen geliebten Sportarten wie dem Skifahren, dem Mountainbiken oder Wassersportarten widmen. Darauf freue ich mich sehr, kommen diese Leidenschaften doch oft zu kurz neben dem Triathlon.

Wie gross ist der Aufwand für Dich, auf diesem Niveau zu trainieren?

Der wöchentliche Aufwand beläuft sich in der Regel auf zehn bis zwanzig Stunden, für einen Langdistanztriathleten ist dies eher wenig. Ich versuche durch spezifische Trainings, welche eher länger, aber weniger häufig als bei meinen Kollegen sind, und den Verzicht auf „rubbish miles“ (Trainingskilometer, die abgespult werden, aber keinen besonderen Zweck haben) diese geringe Trainingsstundenzahl zu kompensieren. Zudem kommt mir wahrscheinlich meine mittlerweile doch grosse Zahl an Lebenskilometern zugute. Die Trainingsreize wirken wohl schneller und die Widerstandsfähigkeit ist wahrscheinlich grösser als bei weniger erfahrenen Athleten.

Manuel, vielen herzlichen Dank für dieses ausführliche Interview!

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Triathlet und Coach Manuel Frey

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Dr. med. Manuel Frey

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